”Hast du dich schon gefragt, was wir alles nicht wissen?
Seit es mit uns neugierigen Wesen losging, haben wir Menschen ziemlich viel Spaß daran, die Grenzen unseres Wissens zu erweitern.
Dabei haben wir bergeweise Erkenntnisse angehäuft! Trotzdem gibt es noch sooo viel zu verstehen…“Buch: Wundervoll. Große Fragen, auf die wir (noch) keine Antworten haben
Philip Bunting
Ich musste schmunzeln, als ich das gelesen habe, denn in meinen Tanzklassen bombardieren mich diese kleinen Menschen oft mit sooo vielen Fragen… manche kann ich beantworten und manche eben nicht. Diese nehme ich dann mit nach Hause, recherchiere sie und bringe die Antwort in der nächsten Tanzstunde wieder mit. Ich liebe diese kleinen philosophischen Exkurse in meinen Kursen, denn sie regen das Denken an.
”Wundervoll. Große Fragen, auf die wir (noch) keine Antworten haben“, ist ein Buch, das ich aus künstlerischer Perspektive besonders spannend finde und das sich besonders zum choreographischen Arbeiten für Kinder und auch für große Menschen eignet.

Als ich noch in Berlin gelebt habe, unterrichtete ich in verschiedenen Studios. Und jedes Jahr stand dieselbe Frage im Raum: Wie gestalten wir unsere große Aufführung? Oft tanzte jede Gruppe ihren eigenen Tanz und am Ende reihten sich die Choreographien einfach aneinander. Das ist weder richtig noch falsch. Doch… in mir schlummerte immer der Wunsch nach einem roten Faden. Einer Geschichte, die alle Tänze miteinander verbindet. Vielleicht ein Märchen oder Momo oder eine einzige große Frage.
Natürlich ist so etwas im Alltag mit vielen Tanzstilen, Gruppen und Lehrern nicht immer leicht umzusetzen. Und trotzdem träume ich bis heute von Aufführungen, die mehr sind als viele einzelne Tänze. Von Aufführungen, die das Publikum in eine gemeinsame Geschichte eintauchen lassen. Das finde ich weitaus schöner als eine bloße Aneinanderreihung verschiedener Choreographien.
Und gerade deshalb ist dieses Buch ganz besonders wertvoll mit diesen Fragen. Hier befinden sich viele Fragen zu unterschiedlichen Themen, die sich herrlich künstlerisch umsetzten lassen und eine roten Faden für eine Aufführung haben.

Mich hat diese Frage in den Bann gezogen:
”Warum machen wir Kunst?“
Seit es uns gibt, zeigen zeigen wir Menschen durch Kunst wie wir die Welt sehen. Aber warum tun wir das? Dafür gibt es wahrscheinlich so viele Gründe wie Kunstwerke – weil wir anderen helfen wollen unsere Ideen auszudrücken, aus Verehrung oder einfach um die Welt wissen zu lassen: ’Ich war hier.‘
Woher kommt der Wunsch Kunst zu erschaffen? Wir wissen es nicht genau, aber wahrscheinlich wären wir ohne sie nicht das, was wir sind.“¹
Würde ich diese Frage hundert Menschen stellen, würde ich wahrscheinlich hundert verschiedene Antworten erhalten. Und genau das finde ich so unglaublich spannend. Denn plötzlich eröffnet sich ein riesiger künstlerischer Spielraum. Die Kinder können ihre Gedanken teilen, malen, improvisieren, tanzen oder Geschichten erfinden. Aus einer einzigen Frage entsteht ein kleines Kunstlabor, in dem geforscht, ausprobiert und gestaltet werden kann. Und vielleicht wächst daraus am Ende sogar eine Choreographie, die das Publikum zum Weiterdenken einlädt.
Doch dieses Buch stellt nicht nur zeitlose Fragen. Es greift auch Themen auf, die gerade für größere Kinder, Jugendliche und Erwachsene unglaublich spannend sind.

Zum Beispiel:
”Werden Computer Liebe lernen?
Was ist Liebe?“
und auf einmal öffnet sich ein riesiger Raum zum Entdecken…
Diese Tage sagte ein Junge zu mir:
”Stefi, der Mond stammt von der Erde ab, es ist ein Splitter der abgebrochen ist und daraus hat sich ein neuer Planet entwickelt…“
Das fand ich ja eine wirklich spannende These. Ich antwortete
”Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so genau. Da muss ich selbst erst einmal nachforschen.“
Doch in mir entstand eine Frage… also begann ich, dem Jungen Löcher in den Bauch zu fragen:
”Wenn der Mond von der Erde abstammt…
dann müsste ja auch auf dem Mond das Gesetz der Schwerkraft herrschen, doch dort gibt es ja das Gesetz der Schwerelosigkeit und die Frage ist, ob der Mond wirklich ein Splitter von der Erde ist?
Oder falls ja…, wie sich dann das Gesetz der Schwerelosigkeit entwickelt hat?“
Ich erntete einen erstaunten Blick und wir beide gingen mit dieser großen Frage nach Hause.
Vielleicht ist genau das das größte Geschenk guter Fragen. Sie müssen nicht immer sofort beantwortet werden. Manchmal reichen sie aus, um einen neugierigen Geist in Bewegung zu bringen.
Albert Einstein sagte einmal:
”Wichtig ist, dass man nie aufhört zu fragen.“
Ich glaube, da steckt viel Wahrheit darin. Denn Fragen lassen uns suchen, staunen, Zusammenhänge entdecken und Erkenntnisse gewinnen. Und manchmal schenken sie uns eine Perspektive, auf die wir allein nie gekommen wären.
Ein paar praktische Gedanken für Dein eigenes Kunstlabor: choreographischen Arbeiten mit dem Buch:
Vielleicht magst Du beim nächsten choreographischen Arbeiten einfach einmal mit einer einzigen Frage beginnen. Schenke jeder Gruppe eine andere Frage und sammle gemeinsam die Gedanken der kleinen oder großen Menschen. Lass sie ihre Ideen malen – manchmal erzählt ein Bild mehr, als Worte es je könnten. Aus diesen Bildern und Gedanken kann anschließend eine Improvisation entstehen. Probiert unterschiedliche Musiken aus, beobachtet, wie sich die Bewegung verändert, und haltet kleine Bewegungsfragmente fest. Vielleicht entstehen dabei sogar Sprachaufnahmen oder kleine Textpassagen, die später ihren Platz in der Choreographie finden.
Ich wünsche Dir von Herzen ganz viel Freude beim Entdecken.
Möchtest Du gemeinsam mit Kindern ein Kunstlabor voller Fragen, Bewegung und Kreativität erschaffen?
Dann entdecke die berufsbegleitende Tanzpädagogik Ausbildung für Kinder & Kindertanz. Dort lernst Du, wie aus Gedanken, Bildern und Fragen lebendige Choreographien wachsen können.
Danke, dass Du mit mir philosophiert hast.
Wir lesen, hören oder sehen uns
Deine Stefi
Literaturquelle
¹Philip Bunting | Wundervoll. Große Fragen, auf die wir (noch) keine Antworten haben | Mixtvision Verlag, 2025
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