Verbindung und Verbindlichkeit
– Fenster in meine Welt

Dieses Jahr haben mich zwei Wörter begleitet:

Verbindung und Verbindlichkeit

Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr fiel mir auf, dass beide Wörter denselben Wortstamm tragen. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie auch untrennbar zusammengehören.

 

Vor über fünfzehn Jahren habe ich mich bei Facebook angemeldet, um mit Menschen in Verbindung zu bleiben, die ich überall auf der Welt kennengelernt hatte. Ich fand es damals magisch zu sehen, was meine australische Yogalehrerin gerade machte oder wie es Freunden in Ghana ging. Plötzlich fühlte sich die Welt ein kleines Stück kleiner an – und gleichzeitig ein Stück verbundener.

Heute haben wir mehr Möglichkeiten denn je, miteinander in Kontakt zu sein. WhatsApp, Facebook, Instagram, X, TikTok, Threads, Telegram … die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Was dabei enorm interessant ist, je mehr Kanäle wir haben, desto weniger erleben wir wahre menschliche Verbindung – sie wird irgendwie eindimensional. Vielleicht sind wir heute mehr vernetzt als verbunden?

 

Ich liebe ja Experimente und so habe ich die letzten Monate ein kleines Experiment gemacht:

Immer wenn ich etwas gepostet habe und jemand mir darauf eine Reaktion, also so ein Emoticon geschickt hat, wie zum Beispiel ein ⭐️ ❤️ 👏🏻  dann habe ich bewusst mit einem vollständigen Satz geantwortet. Als Antwort habe ich zu 99% ein weiteres ❤️ erhalten.

Ich war ein wenig verdutzt und habe das Experiment noch ein bisschen weitergeführt mit den gleichen Ergebnissen. Und ich habe mir dabei immer wieder dieselben Fragen gestellt:

  • Wenn das unsere Kommunikationsform ist um in Verbindung zu treten, wie sieht Kommunikation in der Zukunft aus?
  • Ist das unsere neue Form von Verbindung?
  • Und wie kann dann tatsächliche Verbindung – also um in Laban-Sprache zu sprechen tatsächliche Beziehung entstehen mit den Parametern: gewahr sein, in der Nähe sein, ansprechen, berühren, unterstützen?

Ist das nicht interessant? Alle möchten in Verbindung sein. Doch immer weniger Menschen gehen in Beziehung.

 

In dem Wort Verbindung steckt auch das Wort Bindung.

Und meine Frage war: Mit was oder wem verbinde ich mich?

Mit mir selbst, oder mit anderen Menschen?

Und die noch spannendere Frage dahinter ist:

Wie verbinde ich mich?

 

Wenn ich diese Fragen durch die Laban-Bewegungsanalyse- Brille betrachte, dann beschreibt die Kategorie Beziehung, wie wir miteinander in Kontakt treten können.

  • Sie beginnt mit dem Gewahrsein. Ich nehme wahr, dass ein Mensch den Raum betritt oder sich mir nähert.
  • Dann kommt das Ansprechen. Vielleicht mit einem Blick. Mit einem Lächeln. Mit einem Winken. Oder ganz einfach mit einem Satz. Ob dazu heute auch ein kleines ❤️ gehört? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Rudolf Laban konnte diese Frage damals schließlich noch nicht beantworten.
  • Danach folgt das In-der-Nähe-Sein. Wir teilen denselben Raum und denselben Abstand.
  • Es entsteht Berührung. Vielleicht gehen wir Hand in Hand oder legen jemandem sanft eine Hand auf die Schulter.
  • Und schließlich Unterstützung. Wir nehmen einem anderen Menschen Gewicht ab – körperlich.

 

Vielleicht hast Du ja Lust, Dir ein paar Fragen zu stellen:

  • Wie gewahr bist Du mit Dir selbst und Deiner Umwelt?
  • Wann hast Du das letzte Mal jemandem wirklich in die Augen geschaut?
  • Hältst Du ständigen Kontakt zu Deinem Handy? Oder darf es Dich auch verlassen um mit der echten Welt in Verbindung zu gehen?
  • Wie sehr hältst Du stetige Verbindung zu für Dich wichtigen Menschen?
  • Wann hast Du das letzte Mal jemanden länger als 3 Sekunden umarmt?
  • Wann hast Du das letzte Mal jemanden unterstützt – körperlich oder emotional?

 

Stell Dir einfach mal vor, wir würden jetzt alle zusammen in einem Raum stehen. Die Handys sind draußen. Es gibt keinen Bildschirm. Nur wir. Wie würden wir uns gewahr werden? Würden wir einander anschauen, berühren oder unterstützen? Oder würden wir rausflitzen und unruhig in unseren Taschen nach dem nächsten ⭐️ ❤️ 👏🏻  suchen?

 

Ich habe für mich in diesem Jahr ein paar kleine Erkenntnisse geerntet:

Nur wenn ich mit mir verbunden bin – wenn ich spüre und fühle, wofür mein Herz schlägt –, nur dann kann ich auch wirklich nach außen schauen. Und nur dann werde ich verbindlich. Zu meinen Träumen und Wünschen. Zu den Menschen, die mir wichtig sind. Egal ob es stürmt oder die Sonne für mich scheint. 

 

Doch vielleicht läuft am Ende alles auf eine einzige Frage hinaus:

Mit wem tanze ich diese Reise namens Leben?

 

Vor einiger Zeit habe ich ein Video von Brad Pitt gesehen. Darin erzählt er von einer Passage aus einem Buch.

”Ich las ein Buch, in dem eine Figur gefragt wurde:
’Was ist wichtiger – der Weg oder das Ziel?‘
und der andere antwortete: ’Die Gesellschaft.’ “

Genau darum geht es. Mit wem gehe ich meinen Weg? Mit wem teile ich meine Zeit? Mit wem lache, weine, wachse und tanze ich? Oder verbringe ich einen Großteil meines Lebens mit einem Algorithmus?

Manchmal stelle ich mir vor, dass am Ende meines Lebens der Pfarrer vielleicht sagt:

”Sie machte jeden Tag einen Social Media Post und hat 48.732 Herzen bekommen…“

Oder verbringe ich diese Reise lieber mit echten Menschen – in Verbindung und in Verbindlichkeit?

 

Vielleicht hat Alexander von Humboldt deshalb einmal gesagt:

”Im Grunde genommen
sind es immer die
Verbindungen mit Menschen,
die dem Leben seinen Wert geben.“

Alexander von Humboldt

 

Danke fürs Reinlesen.

Wir lesen, hören oder sehen uns

Deine Stefi

 

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2 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Nadine Fernández am 21. Dezember 2025 um 19:08

    Liebe Stefi,
    ich habe Deinen Jahresrückblick mit Interesse gelesen und er hat mich berührt, da ich ebenfalls die Abnahme von “direkt in Verbindung treten” an vielen Stellen beobachte. Im einem Radiobeitrag wurde neulich beschrieben, dass es vielen Menschen mittlerweile unangenehm ist zu telefonieren. Sie wählen lieber die “indirektere” Form des textens oder der Audionachricht. So kann man vor-formulieren und entscheiden, wann man antwortet und hat mehr Kontrolle.
    Ich finde das schade, denn ein wenig leidet darunter die Lebendigkeit, Spontanität und die Beziehungsqualität.
    Ich kann nur dazu aufrufen so viel wie möglich in der analogen Welt in Kontakt zu sein und körperlich zu sein.
    Denn das ist es, was uns als soziale Lebewesen ausmacht und maßgeblich zu unserer Gesundheit beiträgt.
    Ich wünsche allen fröhliche Weihnachten im analogen Kreise von lieben Menschen!
    Nadine



    • Veröffentlicht von Stefi Schmid am 22. Dezember 2025 um 10:24

      Liebe Nadine,
      hab ganz lieben Dank für Deine Worte. Das habe ich auch bemerkt, dass die Menschen immer weniger telefonieren und gerne andere Kommunikationsformen wie zum Beispiel Sprachaufnahmen bevorzugen. Ich finde das auch schade, denn wie Du schreibst ist es doch das Spontane was das Leben lebendig macht. Doch die kleinen Menschen die lieben echten Kontakt und so wünsche ich mir für die kleinen Menschen, dass sie in einer Welt voller Verbindung aufwachsen dürfen.
      Hab Du auch zauberhafte Weihnachten – auf bald
      Stefi



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