Es war die letzte Sprungbrett zu zweit in die Tanzwelt Eltern-Kind Tanzstunde vor den Winterferien.
In den frühen Morgenstunden hatte ich mein Unterricht vorbereitet und Sterne gebastelt, denn bei Sternen kann man sich bekanntlich immer etwas wünschen. Doch nach und nach trudelten die Nachrichten ein. Viele Kinder waren krank. Meine geplante Stunde würde mit einer so kleinen Gruppe nicht funktionieren.
Und wie das Leben manchmal so spielt… landete Mittags pünktlich um 12.30 ein kleines Paket in meinem Briefkasten. Da ich Pakete liebe war es blitzschnell ausgepackt – darin lag das Bilderbuch ”Als der Mond die Sterne ordnen wollte“.
Und da waren sie wieder meine Sterne… für den Kindertanz.
Ich setzte mich hin, las das Buch und hatte innerhalb weniger Minuten tausend Ideen, ich packte es in meine Tasche und düste ins Tanzstudio. In unserem heutigen klitzekleinen Ankommenskreis erzählte ich den Kindern von meinen Sternen, die ich am Morgen gebastelt hatte und dem kleinen Paket das Mittags angekommen war und fragte:
”Was meint ihr… wollen wir das machen was ich mir heute morgen ausgedacht habe – oder das was in dem kleinen Päckchen war?“
Es schallte im Chor:
”Das Päckchen!“
Gesagt getan! Ich holte das Buch aus meinem Rucksack heraus und die Kinder erzählten mir erst einmal was sie auf dem Buch sehen konnten:
”Ein Mond und viele Sterne“
”Soll ich Euch verraten wie das Buch heißt?“
”Jaaaaaa“, schallte es
”Es heißt ’Als der Mond die Sterne ordnen wollte‘.“

Die Kinder schauten mich nachdenklich an – und ich sah die Fragezeichen in ihren Gesichtern: Kann man Sterne ordnen? Die Eltern schmunzelten –was wohl jetzt wohl wieder kommen mag, ich glaube, sie ahnten schon, dass wir gleich wieder gemeinsam in ein kleines Tanzabenteuer eintauchen würden.
Ich begann vorzulesen:
”Einst in einer Nacht, die so still war, saß der Mond auf seiner silbernen Schaukel und dachte nach. Vor ihm stand eine Kiste. Darin: Die Sterne. Glänzend, funkelnd, bereit für den Himmel. Ein jeder sollte einen Platz, den besten Platz am Himmel finden. In einer Ordnung, in der besten Ordnung. ’Erst mal will ich Euch sortieren’, sprach der Mond. ’Nur … wie?‘ “¹
Das fanden die Kinder spannend, ich fragte:
”Müsst ihr eigentlich auch zu Hause im Kinderzimmer Ordnung schaffen?“
Da platze aus einem Mund heraus:
”Nein, ich muss nie aufräumen“
Die Mamas lachten und ich grinste in mich hinein…
”Kommt, nun wollen wir zum Mond und den Sternen reisen”.
Wir standen plötzlich in einer klaren, tiefblauen Nacht. Der Himmel war noch leer. Die Sterne schlummerten schließlich in ihrer Kiste und warteten darauf, endlich ihren Platz am Himmel zu finden. Doch die große Frage war: Wie?
Die erste Idee des Mondes war:
”Vielleicht sortiere ich die Sterne einfach nach ihrer Größe.“
Wir ließen die Musik erklingen und tanzten durch den Sternenhimmel. Sobald die Musik stoppte, versuchten wir uns der Größe nach zu ordnen. Die großen Sterne standen außen, die kleinen innen. Das war gar nicht so einfach! Plötzlich musste jeder schauen: Wer ist größer? Wer ist kleiner? Die kleinen Menschen überlegten, beobachteten und probierten aus – und nach und nach entstand unsere Sternenordnung. Doch der Mond betrachtete sein Werk eine Weile, schüttelte den Kopf und sagte:
”Nein … so gefällt mir das nicht.“
Also musste eine neue Idee her.
”Vielleicht sortiere ich die Sterne nach ihrem Gewicht.“
Oh weh … Da gingen die Fragen auch schon los.
”Ist ein großer Stern automatisch schwerer als ein kleiner?“
”Und was passiert eigentlich mit einem schweren Stern? Fällt er nach unten? Oder schwebt er trotzdem am Himmel?“
Wir philosophierten eine Weile gemeinsam darüber und machten uns dann ans Ausprobieren. Wir tanzten durch den Raum und immer wenn die Musik stoppte, versuchten wir uns diesmal nach unserem Gewicht zu ordnen. Doch diese Idee gefiel dem Mond auch nicht. Denn dafür hätte er jeden einzelnen Stern wiegen, alles aufschreiben und vermutlich sogar Tabellen führen müssen. Der Mond seufzte.
”Nein … das dauert viel zu lange.“
Also musste wieder eine neue Idee her. Er überlegte:
”Vielleicht ordne ich die Sterne nach ihrer Helligkeit.“
Das leuchtete dem Mond sofort ein. Den Kindern allerdings noch nicht. Sie hatten sich bis dahin noch nie Gedanken darüber gemacht, dass Sterne unterschiedlich hell leuchten können. Also verwandelten wir uns selbst in funkelnde Sterne. Wir tanzten durch den Nachthimmel und strahlten um die Wette. Immer wenn ich zweimal in die Hände klatschte, blieben alle stehen. Die Sterne begannen zu flackern … erst ganz leicht … dann immer stärker … bis sie schließlich langsam zu Boden sanken und für einen kleinen Moment erloschen. Das war ein Riesenspaß. Während ich weiter aus dem Buch vorlas, musste eine Mama schon schmunzeln. Ich glaube, sie ahnte längst, was nun kommen würde.
Der Mond betrachtete auch diese Ordnung eine Weile, schüttelte den Kopf und sagte:
”Nein … das ist es auch noch nicht.“
Also machte er sich wieder auf die Suche nach einer neuen Idee. Ein Gedanke war:
”Vielleicht ordne ich die Sterne einfach nach ihren Farben.“
Er hatte nämlich entdeckt, dass manche Sterne ein wenig rötlich leuchteten, andere eher bläulich schimmerten. Also machten wir uns auch an diese Idee. Wir tanzten kreuz und quer durch den Raum. Immer wenn ich ”Sortieren!“ rief, suchte sich jeder kleine und große Stern einen anderen Stern mit derselben Farbe. Plötzlich wurde ganz genau geschaut.
”Meine Socken sind rosa!“
”Ich habe ein rosa T-Shirt!“
Und schon entstand die rosa Sternengruppe. Ich sagte mit einem Schalk im Nacken:
”Also die Unterwäsche zählt als Farbe nicht, denn die können wir ja nicht sehen.“
Und schon lachten alle.
Doch der Mond hatte schon das nächste Problem.
”Nun weiß ich zwar, wie ich die Sterne sortieren könnte … aber wie sollen sie am Himmel angeordnet werden?“
Sollten sie in einer langen Reihe leuchten? Oder lieber in einem Kreis? Vielleicht in einem Viereck? Oder doch ganz anders? Also begannen wir zu experimentieren. Mal standen wir in einer langen Reihe nebeneinander, hintereinander, aus der Reihe wurde ein großer Kreis, aus dem großen Kreis ein kleiner Kreis,
Doch egal, welche Formation wir ausprobierten … es gab immer wieder Sterne, die aus der Reihe tanzten. Der Mond seufzte tief.
”Hach…was soll ich bloß machen?“
Wir seufzten einfach alle mit. So ein Seufzer hilft einfach. … auf einmal begann die Nase des Mondes zu kribbeln. Er verzog sein Gesicht.
”Haaaaaaatschi“
und auf einmal purzelten alle Sterne durcheinander, sie flogen und kullerten… und als der Mond die Auge öffnete stellte er fest dass alles nun ganz genau richtig so richtig war und jeder Stern seinen perfekten Platz hatte.
Der Mond lehnte sich zufrieden zurück und fing an zu strahlen. Da bemerkte er einen klitzekleinen Stern, der es sich auf seiner Wange gemütlich gemacht hatte. Und genau dieser kleine Stern erinnert den Mond und vielleicht auch uns daran, dass manchmal vieles von selbst in Ordnung kommt
Das war ein wunderschöner Abschluss für alle kleinen und großen Menschen vor den Winterferien. Vielleicht erinnert uns dieses Bilderbuch daran, dass nicht immer alles sofort seinen richtigen Platz haben muss. Manches darf erst einmal durcheinanderpurzeln. Manches braucht Zeit. Und manches kommt ganz von alleine in Ordnung.
Vielleicht schauen wir deshalb bei der nächsten klaren Mondnacht einfach einmal nach oben. Vielleicht entdecken wir den kleinen Stern auf der Wange des Mondes. Und vielleicht erinnert er uns genau daran.
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Danke fürs Reinlesen.
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Deine Stefi
Literaturquelle
¹Lena Raubaum & Zuzanna Kowalska | Als der Mond die Sterne ordnen wollte | Vermes Verlag, 2025
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