Die Magie der Worte im Tanzunterricht
– Gedanken aus der Tanzpädagogik für Kinder

Worte können magisch in Deinem Tanzunterricht sein – sowohl für kleine als auch große Menschen.

Deshalb nehme ich Dich heute mit auf eine kleine Reise in die Welt der Sprache. Wir widmen uns in diesem Artikel nur zwei klitzekleinen Wörtern. Je nachdem, welches Du verwendest, kannst Du Magie verbreiten – im Tanzsaal und manchmal sogar weit darüber hinaus.

Du wirst schon sehen.

 

Stell Dir vor Du stehst im Tanzsaal und ein Lehrer sagt:

  • “Ihr müsst das nochmal machen”
  • “Du musst das üben”
  • “Du musst leise sein”
  • “Du musst freundlich zu den anderen Kindern sein”
  • “Ihr müsst jetzt einen Stopptanz machen”
  • müssen, müssen, müssen…

Was passiert in Dir, sobald Du diese Muss-Botschaften hörst? Vielleicht kann es sein, dass einen Widerstand spürst oder sich innerlich Deine Zehennägel Hochrollen… und plötzlich hast Du gar keine Lust mehr, das zu tun was jemand von Dir verlangt? Oder vielleicht denkst Du sogar:

“Also jetzt erst recht?”

Genau darin liegt für mich die Besonderheit dieses Wortes. Müssen fühlt sich oft nach Druck an – nach etwas, das von außen kommt. Dabei müssen wir erst einmal gar nichts, auch wenn uns das im Alltag häufig vermittelt wird.

Lass uns einen kurzen Blick auf das Wort ”müssen“ werfen. Der Duden beschreibt es als etwas, das mit Zwang, Verpflichtung oder einer von außen kommenden Notwendigkeit verbunden ist.¹

Du siehst also: Das Wort müssen ist eng mit einer extrinsischen Motivation verknüpft. Doch was ist ist diese extrinsische Motivation denn überhaupt?

Stangl² (2020) erklärt extrinsische Motivation folgendermaßen:

Extrinsisch bedeutet von außen her (angeregt), nicht aus eigenem Antrieb erfolgend. Der Gegenbegriff lautet intrinsisch (von innen her, durch in der Sache liegende Anreize bedingt). Motivationstheorien erklären: Eine Person ist extrinsisch motiviert, wenn äußere Anreize wie z. B. Entlohnung, Beförderung, Anerkennung etc. für das eigene Handeln die ausschlaggebende Rolle spielen. In der Schulpädagogik spricht man von extrinsisch motivierten Schülern, wenn sie nicht aus eigenem Interesse, sondern aus Angst vor Sanktionen (schlechte Noten, Verweis, Ausschluss vom Unterricht) lernen. Als extrinsisch motiviert bezeichnet man also Tätigkeiten, die nicht um ihrer selbst Willen ausgeübt werden (Selbstzweck: Sinn oder Spaß), sondern zum Beispiel für Geld oder Anerkennung (Mittel zum Zweck) oder dem Entgehen einer Strafe.”²

 

Okay; nach dieser kleinen Schleife über extrinische Motivation kommen wir zurück zu unserem ursprünglichen Thema: dem Wort müssen. Ich selbst nutze das Wort nur sehr selten im Tanzunterricht. Wobei ich es letztens dreimal bei einer Fortbildung gesagt habe und danach hätte ich mich am liebsten in meinen Po gebissen, denn es hast sich einfach nicht stimmig angefühlt.

Ich wünsche mir von Herzen, dass sich kleine und große Menschen beim Tanzen und auch in vielen anderen Bereichen ihres Lebens von innen heraus motivieren. Denn dann macht einfach alles viel mehr Freude und wir haben ein Gefühl von Leichtigkeit.

Doch wie machen wir das nun?

Wir ersetzten das Wort müssen durch dürfen und schauen einmal gemeinsam wie sich das anfühlt:

  • “Ihr dürft das nochmal machen”
  • “Du darfst das üben”
  • “Du darfst leise sein”
  • “Du darfst freundlich zu den anderen Kindern sein”
  • “Ihr dürft jetzt einen Stopptanz machen”

Mmmmmmmmhmmmmmmmm, das klingt in meinen Ohren wie Magie.

Sobald ich in meinem Tanzunterricht das müssen durch dürfen ersetzte, sehe ich leuchtende Kinderaugen Denn etwas zu dürfen macht vielleicht ein wenig stolz und gibt mir die Möglichkeit mich frei entscheiden zu dürfen. Sobald wir kleinen und großen Tänzern den Raum für Ihr künstlerisches Sein geben möchten, wäre es meines Erachtens sinnvoll Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich von Innen heraus mit Themen und Menschen verbinden zu können und auch eigene Entscheidungen treffen zu dürfen.

Eine sehr gute Freundin von mir hat das mit ihren Studenten an der Hochschule ausprobiert und festgestellt, dass es manchmal fast wie Zauberei ist, sobald sie das Wort darf oder dürfen verwendet. Wenn Du möchtest probiere es mit Deinen Schülern aus, ich bin gespannt zu erfahren ob sich auch Magie in Deinem Unterricht verbreitet.

Möchtest Du lernen, wie Du mit Deinen Worten kleine Wunder im Tanzunterricht entstehen lässt?

In der Ausbildung zur Tanzpädagogin für Kinder beschäftigen wir uns nicht nur mit Bewegung, sondern auch mit der Kunst der Sprache. Denn oft sind es die kleinen Worte, die eine große Wirkung entfalten.

die Ausbildung entdecken

 

Danke fürs reinlesen

Deine Stefi

 


Quellenangaben

¹ Duden
² Stangl, W. (2020). Stichwort: »extrinsische Motivation«. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik (2020-10-06)

Hinterlassen Sie einen Kommentar





Stefis Newsletter

Tanze Wild & Frech Post

Die ’Tanze Wild & Frech Post‘ ist einmal im Monat eine kleine Einladung in meine Welt. Dort teile ich Gedanken, inspirierende Momentaufnahmen und Termine aus der Welt der Tanzpädagogik für Kinder. Manchmal schleichen sich auch Gedanken aus dem Leben mit hinein.

Wenn Du dabei sein möchtest, freue ich mich auf Dich.