Endlich gibt es im Kino mal wieder einen neuen Tanzfilm zu sehen! Ich stehe wie so viele am Donnerstag in der Kinoschlange und hoffe noch auf ein Ticket. “Einmal Die Tänzerin bitte”, sage ich zu dem jungen Mann am Schalter. “Möchten sie upgraden in die VIP Reihe für zwei Euro?” “Ja gerne”, sage ich und freue mich wie eine Schneekönigin in der 1.Klasse zu sitzen.
Ich jongliere meine Nachos und meine Cola in den Kinoraum 16, öffne die schwere Türe, es ist schon dunkel, die Werbung läuft. Im Dunkeln suche ich diese VIP Reihe! Hab ich dich, denke ich, aber NEIN, da sitzt jemand auf meinem Platz. Leise sage ich zu älteren Damen: “Ich glaube sie sitzen auf meinem Platz.” “NEIN!”
MMHM, denke ich und fange leise an zu erklären: “Wenn dies der Platz 8 ist und dies der Platz 7, dann wäre dies der Platz 6.” “ABER ich habe den Platz 5.” “Ja genau! Dann wären sie einen Platz weiter!” “Das kann nicht sein”, echauffiert sich die Dame, ist völlig genervt von mir, ihre Jacke muss sie nun auch noch weglegen. Ich besänftige ein wenig “Es sind ja noch viele Plätze frei, bleiben sie gerne sitzen, falls noch jemand kommt müssen wir eventuell rutschen”.
Ich plumpse in Platz 7 und der Film beginnt sobald ich sitze, das Glück ist mir hold! Mmhm dies Nachos, lecker, ich knuspere! Also dass ist zu viel für die Damen, völlig entnervt setzten sie sich ganz ans Ende auf Platz 1 und ich habe meinen Seelenfrieden gefunden.
Loie Fuller ist mir gleich sympathisch, sie ist eine junge Frau mit einem eigenen Kopf, Intelligent und im inneren ein zartes Wesen.
Eigentlich will sie ja Schauspielerin sein, sie spricht vor und bekommt den Job. Eine stille Irre soll sie spielen! Das Kostüm ist ihr zu groß und der Rock fällt ihr während der Vorstellung herunter, sie greift ihn schnell und wedelt und ihre erste Performance war geboren! Loie Fuller, ist das was wir heute eine Performancekünstlerin nennen würden. So wie es in der damaligen Zeit für Künstler üblich war, war auch eine Mehrspartenkünstlerin. Sie zeichnete ihr Kostüm und hatte eine klare Vision und Vorstellung davon wie es in Bewegung wirken sollte! So läßt sie sich ein Kleid anfertigen, ganz in weiß und die Arme sind unglaublich lang. Sie verlängert ihre Arme durch Stäbe und fängt an ihre Arme in Achten und Schwüngen zu bewegen. Sie steigert ihr Tempo, der Stoff fliegt und wirft schöne Bilder in die Luft! Doch der Stoff ist zu schwer, es muß leichter werden!
Sie war ihrer Zeit weit voraus, eine Lichtchoreographie muss her! Indirektes Licht in unterschiedlichen Farben sollen das leichte Kleid anstrahlen wenn sie tanzt und ihre Schwünge vollführt! So etwas gab es damals noch nicht. Loie läßt es bauen! Sie ist eine Forscherin – sie war obsessiv, die Wirkung für den Zuschauer ist ihr höchstes Ziel!
Ich persönlich habe noch nie etwas von Loie Fuller gehört – ich bin wirklich froh diese Lücke geschlossen haben! Der Film besticht durch atemberaubende Bilder, der Obsessivität und Leidenschaft Loie Fullers die unter die Haut geht – Ganz großes Kino würde ich sagen!
Und um den Kreis zu schließen, den Damen hat es nicht gefallen “Weshalb gibt es denn hier Untertitel, ich dachte das sei ein deutscher Film!” Schmunzelnd verlasse ich den Kinosaal und denke an Willhelm Busch:
“Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen,
Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.”
Möchtest Du noch mehr verborgene Schätze der Tanzgeschichte entdecken?
Auf dem Tanze Wild & Frech Blog findest Du viele weitere Geschichten über Menschen, die den Tanz geprägt haben – und deren Ideen bis heute nachwirken.
Danke fürs reinlesen.
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