Lechts und Rinks… da stimmt doch etwas nicht?
Rechts und links zu unterscheiden ist wirklich schwer – ich kann mich da noch sehr gut daran erinnern als ich klein war. Und ich kann gerade deshalb nachempfinden, dass dies für Kinder eine echte Herausforderung ist.
Lass uns in dieses fabelhafte Thema der Lichtungen … ääähm … Richtungen mit einem wunderbaren Gedicht von Ernst Jandl einsteigen:
manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtumErnst Jandl
Tanzen ist weit mehr als eine kreative und spielerische Möglichkeit, den eigenen Körper zu entdecken. Kinder entwickeln dabei auch ihre Koordination, ihre Körperwahrnehmung und wichtige kognitive Fähigkeiten. Ein grundlegender Baustein dabei ist das Verständnis für rechts und links.
Seitendominanz
Bevor wir in das Thema rechts und links einsteigen, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Thema der so genannten Seitendominanz. Ich nenne sie immer die Schokoladen- oder Zitronenseite. Manche Menschen schreiben bevorzugt mit der rechten Hand, andere mit der linken. Beides ist völlig normal – ein richtig oder falsch gibt es hier nicht. Diese Bevorzugung einer Körperseite zeigt sich jedoch nicht nur an den Händen, sondern zum Beispiel auch am bevorzugten Stand- oder Spielbein.
Für uns Tanzpädagogen ist dieses Wissen besonders spannend. Denn die Entwicklung einer Seitendominanz kann Einfluss darauf haben, wie leicht Kinder rechts und links unterscheiden lernen.
Während manche Kinder schon früh eine Vorliebe für die Schokoladenseite entwickeln, befinden sich andere noch mitten im Entdeckungsprozess – und genau das ist völlig normal.
Ich beobachte in meinem Unterricht immer wieder drei- oder vierjährige Kinder, die ein Bild malen und dabei einmal den Stift in die rechte und kurz darauf in die linke Hand nehmen. Beim Ausprobieren und Forschen findet jedes Kind nach und nach heraus, mit welcher Körperseite ihm bestimmte Bewegungen leichter fallen.
Ab welchem Alter verstehen Kinder rechts und links?
Während die Seitendominanz sich bis ca. zum 4. Lebensjahr entwickelt, ist das Konzept von rechts und links ein abstraktes Körperkonzept und somit das Lernen von diesen Richtungen ein sehr gradueller Prozess. Mit ca. 6 bis 7 Jahren können Kinder rechts und links unterscheiden. Dieser Prozess hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die individuelle kognitive Entwicklung des Kindes und die Erfahrungen mit Richtungen im Alltag, zum Beispiel aus dem Kindergarten und Elternhaus.
Für Tanzpädagoginnen für Kinder & Kindertanz ist es wunderbar, die verschiedenen Entwicklungsstufen der Kinder zu berücksichtigen und entsprechend anzupassen. Das bedeutet, geduldig zu sein und den Kindern genügend Zeit zu geben, um sich mit dem Konzept von rechts und links vertraut zu machen, und ihnen gleichzeitig eine unterstützende Anleitung zu bieten.
Welche Rolle spielen die Hemisphären im Gehirn dabei?
Die Fähigkeit, rechts und links zu unterscheiden, ist eng mit der Entwicklung der Hemisphären des Gehirns verbunden. Die linke Hemisphäre ist für die sprachliche und logische Verarbeitung zuständig, während die rechte Hemisphäre für die räumliche Wahrnehmung und die Verarbeitung von visuellen Reizen zuständig ist.
Wenn Kinder also lernen, rechts und links zu unterscheiden, werden beide Hemisphären des Gehirns miteinander vernetzt.
Dieses Thema fasziniert mich schon seit vielen Jahren. Deshalb werde ich ihm irgendwann einmal einen eigenen Blogartikel widmen – denn es ist WUNDERschön und würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.
Methodische und didaktische Tipps für Deinen Kindertanzunterricht
- Kinder lernen leichter, wenn sie etwas sehen, fühlen und erleben können. Deshalb können kleine visuelle Orientierungshilfen eine wunderbare Unterstützung sein. Farben oder Symbole geben den Kindern Sicherheit und helfen dabei, sich Schritt für Schritt im eigenen Körper zu orientieren.
- Auch spielerische Bewegungsaufgaben unterstützen diesen Lernprozess. Je häufiger Kinder ihre rechte und linke Körperseite in Bewegung erleben dürfen, desto vertrauter wird ihnen dieses zunächst abstrakte Körperkonzept.
- Ebenso bedeutsam ist unsere Sprache. Als Tanzpädagogen dürfen wir uns immer wieder bewusst machen, aus welcher Perspektive die Kinder uns gerade wahrnehmen. Oft sind es genau diese kleinen Feinheiten, die den entscheidenden Unterschied machen.
- Und dann braucht es vor allem eines: Zeit. Rechts und links lernt man nicht an einem Nachmittag. Kinder dürfen ausprobieren, forschen, verwechseln und wieder neu entdecken. Genau deshalb gehören vermeintliche Fehler zum Lernen dazu. Sie zeigen uns nicht, dass ein Kind etwas nicht kann – sondern dass es gerade dabei ist, etwas Neues zu begreifen.
Ein paar Ideen für Deinen Kindertanzunterricht
- Rechts und links lassen sich auf vielfältige Weise in den Tanzunterricht integrieren. Farben, Tücher, Bodenmaterialien oder kleine Bewegungsaufgaben können den Kindern dabei helfen, dieses abstrakte Körperkonzept spielerisch zu entdecken.
- Ebenso können kleine Choreographien oder Tanzspiele eine wunderbare Möglichkeit sein, die rechte und linke Körperseite immer wieder bewusst zu erleben. Je häufiger Kinder rechts und links in unterschiedlichen Zusammenhängen erfahren dürfen, desto sicherer wird dieses Körperkonzept.
- Besonders spannend wird es, wenn sich zwischendurch auch einmal die Perspektive verändert. Kinder entdecken dabei, dass rechts und links nicht vom Raum, sondern immer vom eigenen Körper ausgehen.
Warum werden nicht in allen Ländern die Begriffe rechts und links als Raumkonzept verwendet?
Für uns sind rechts und links selbstverständlich. Diese Begriffe sind tief in unserer Sprache und Kultur verankert und begleiten uns ganz selbstverständlich durch den Alltag – und natürlich auch durch den Tanzunterricht.
Mein Yogalehrer erzählte mir einmal, dass die Tibeter die Begriffe rechts und links gar nicht verwenden. Stattdessen sagen sie einfach: ”andere Richtung“. Das fand ich unglaublich spannend, denn dadurch wird unser Körpergedächtnis auf eine ganz andere Weise angesprochen.
Auch viele indigene Völker orientieren sich nicht an rechts und links, sondern an den Himmelsrichtungen. Statt zu sagen: ”Gehe nach rechts“, heißt es dort beispielsweise: ”Gehe nach Osten.“ Dahinter steckt eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und der Umgebung.
Ich finde es immer wieder faszinierend zu entdecken, wie unterschiedlich Menschen auf dieser Welt Orientierung lernen – und wie viele Wege es gibt, den eigenen Körper und den Raum zu begreifen.
Abschließen möchte ich mit einem kleinen Gedicht, das Du wunderbar als Ankommensritual in Deinem Tanzunterricht nutzen kannst.
”Steh aufrecht da, mit einem Lächeln bereit,
Dann dreh Dich im Kreis, es ist an der Zeit.
Die rechte Hand hoch, sanft im Wind,
Die linke Hand folgt, und tanzt geschwind.Dreh nach rechts, im Kreis herum,
Und spüre die Freiheit, wie im Traum.
Dreh nach links, mit einem Blick,
In der Welt des Tanzes, da findet man sein Glück.“Stefi Schmid
Wenn Kinder eine neue Fähigkeit entdecken und schließlich ganz selbstverständlich anwenden können, erfüllt sie das oft mit Stolz. Genau dieses Gefühl schenkt ihnen Mut, sich auf die nächste kleine Herausforderung einzulassen.
In diesem Sinne: ein Hoch auf die Lichtungen … ääähm … Richtungen.
Möchtest Du mit den Kindern spielerisch in die Welt von rechts und links eintauchen?
Dann tauche in der Videofortbildung ”Lechts, rinks und geradeaus“ in die Welt der Richtungen ein. Dich erwartet ein tierisches Abenteuer, viele kreative Ideen und methodische Impulse, mit denen Kinder rechts und links nicht auswendig lernen, sondern durch Bewegung begreifen.
die Videofortbildung entdecken
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Tanze Wild & Frech Post
Die ’Tanze Wild & Frech Post‘ ist einmal im Monat eine kleine Einladung in meine Welt. Dort teile ich Gedanken, inspirierende Momentaufnahmen und Termine aus der Welt der Tanzpädagogik für Kinder. Manchmal schleichen sich auch Gedanken aus dem Leben mit hinein.
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